Mich interessiert das Zusammenspiel von Architektur und Interior Design, auch die Lichtregie. Hierfür war Tadao Andos Ibaraki Kasugaoka Kyokai Kirche ein Schlüsselerlebnis. Auch der amerikanische Architekt Jay Smith hat mich inspiriert; mit dem Architekten Michael Gabellini habe ich 14 Jahre lang gearbeitet und 80 Retail Spaces gestaltet. Mit Zaha Hadid hatte ich sondierende Gespräche, leider konnten wir nichts von unseren Ideen mehr verwirklichen. Für meine Interieurs haben mir auch Donald Judds Arbeiten und Eileen Gray produktive Anstöße gegeben.
Eigentlich nicht. Beim Modedesign hat mich mehr die Gegenwartskunst beeinflusst. Aber das Plastische, die Dreidimensionalität und der Blick auf Materialqualität sind auch im Modedesign zentral für mich.
Da ist etwas dran. Ich gehe jeden Morgen in mein Atelier. Kreativität braucht Kontinuität und Gewohnheit, aber es geht nicht ohne eine Vision. Nehmen Sie eine Ballett-Aufführung: Wie viel Disziplin und Übung nötig sind, bis da eine Choreografie sitzt! Darüber hinaus braucht es natürlich eine Idee.
Da erkenne ich mich wieder. Ich stand erst spät im Leben vor der Aufgabe, mich in einem Supermarkt zurechtfinden und einen Geldautomaten meistern zu müssen. Ich war hilflos, weil ich für alltägliche Geschäfte früher keine Zeit hatte.
Man will nicht ewig dieselben Kleider im Schrank hin- und herdrehen, das ist meine Auffassung. Wenn ich herausfinde, was mir am Alten nicht mehr gefällt, bin ich schon auf dem Weg zum Neuen. Selbst geschätzte Dinge sind irgendwann allzu vertraut. Ich möchte sie erfrischen und mit Energie versorgen. Dabei hilft mir auch der technische Fortschritt. Das Ergebnis muss in die Gegenwart passen und begehrenswert sein.
Man erkennt ihn daran, dass man seiner nicht leicht überdrüssig wird und ihn immer noch jemand erben möchte.
Der Thonet-Bugholzstuhl 209, der lange in meiner Küche stand. Die von uns entworfene Spiraltreppe für meine Flagship-Stores, die auch durch mein Atelierhaus führt und deren Nickelsilver-Metalllegierung mich auf die Idee für die Thonet-Stühle gebracht hat. Drittens arbeite ich, seit ich denken kann, mit dem Fine Pen 1511 und Bleistiften von Faber Castell, die immer superspitz sein müssen.
Mich hat vor allem die sorgfältige Manufaktur-Fertigung beeindruckt und die generelle Herangehensweise, in der sich Tradition und Innovation zu überzeugenden neuen Klassikern verbinden.
Ich würde ihn bitten, ihn zu ertasten. Blinde sind so sensibel, dass sie Qualität erfühlen.
Mich hat einerseits die Idee der Zeitlosigkeit gereizt – andererseits die Möglichkeiten, die auch in einem rund 100 Jahre alten Klassiker noch verborgen sind. Seine Konstruktion und Grundstruktur sind überzeugend und haben eine zeitgemäße Würdigung verdient. Es war eine schöne Herausforderung, im Geiste mit einem der wichtigsten Bauhaus-Designer zusammenzuarbeiten. Ich wollte den Stuhl im Sinne Breuers ins Jetzt holen.
Nein, aber ihn bei Freunden, in Büros und immer wieder in Filmen gesehen. Seine starke Präsenz im kollektiven Bewusstsein hat mit der Wesentlichkeit seiner Aussage zu tun. In der Überarbeitung haben wir das Noble an ihm unterstützt und die qualitativ hochwertigen Elemente verstärkt, damit man ihn wieder wie zum ersten Mal wahrnimmt.
Am Anfang stand die Bedingung, dass ich den Klassiker nicht in seiner Form verändern konnte. Also ging es um das Finden neuer Materialien.
Dafür haben wir uns zuerst intensiv mit der Vergangenheit auseinandergesetzt und uns im Frankenberger Werk und den Archiven umgesehen. Dann haben wir mit interessanten Materialproben experimentiert. Ich kann mir die Dinge gut vorstellen, erfasse sie zunächst visuell und haben dann zielstrebig entschieden, dass wir die Metall-Chrom-Geschichte ändern. Die Nickelsilver-Legierung spielte schon in meinen Flagship-Stores eine wichtige Rolle, deshalb war ich mit ihrer Wirkung vertraut. Beim Leder wusste ich gleich, dass es matt sein sollte. Im Prozess haben wir alle Elemente immer wieder verändert und aufeinander abgestimmt. Die Farbnuancen von Lack und Metall zum Beispiel sind sehr subtil.
Mit SERIOUS verbinde ich Konzentration und Fokussierung. Ich wollte, dass der Stuhl als Ikone überzeugt und seine Einzelheiten erst nach und nach ins Bewusstsein treten. Die Lederschattierungen sind zurückhaltend und doch bringen die vom vorherrschenden Graphitton gebrochenen Farben Bordeauxrot, Olive und Schwarz Emotionalität in den Stuhl. Auch die Rückenansicht haben wir optimiert. In einem Sitzungsumfeld kann der Stuhl so inspirierend wirken. Im Privatbereich hingegen schafft er Ruhe und lenkt nicht ab.
Bei NORDIC habe ich an die nordische, viel mit Holz arbeitende Designtradition, an das klare nördliche Licht und die Farben der Natur gedacht, etwa bei dem gebrushten Moos-Ton des Geflechts. Das nordische Design schöpft seine Sinnlichkeit ja aus natürlichen Materialien, dem habe ich mich genähert. Um den Effekt noch zu verstärken, habe ich bei der gekreideten helleren Holz- und Lederversion mit einem Nickelsilver-Finish gearbeitet.
Der Lack von Steinway-Flügeln, die Lederpolsterung eleganter englischer Autos und das matte Nickelsilver der Spiraltreppe in meinen Flagship-Stores.
Sehr intensiv. Es wurde bis zum Schluss an jedem Detail gefeilt.
Na klar.
Als die Schwinger fertig waren, haben sie nach Ergänzungen gerufen. So entstanden die ineinander schiebbaren Beistelltische mit korrespondierenden Farben und Materialien.
Im Prinzip wäre für mich jeder Klassiker interessant.
Ja. Wir befinden uns wieder in einer Umbruchszeit, in der konservative und progressive Positionen hart aufeinandertreffen. Möglicherweise fördert gerade dieser Druck die Innovation. Die weltweiten Probleme sind groß, aber der Mensch ist erfindungsreich und immer an Lösungen interessiert. Ich vertraue deshalb darauf, dass wir die Gefahren in den Griff bekommen und die nötigen Änderungen ins Werk setzen.
Die Ästhetik des Bauhauses in der Architektur, in den Objekten, in der Grafik war in meiner Jugend sehr präsent und hat mich tief beeinflusst. Ich teile viele Ideen des Bauhauses: die Reduktion auf das Essenzielle, Aktualisierung der Klassik, Materialbewusstsein und -recherche, Funktionalität, serielle Qualität sowie die Suche nach neuer Schönheit. Dass diese Prinzipien vor allem in der Frauenmode kaum umgesetzt wurden, war anfangs eine starke Motivation für mich. Auch die Wechselbeziehung von Kunst und Design im Bauhaus ist meiner Vorgehensweise verwandt.
Qualität hat ihre Berechtigung und kommt den Menschen zugute. Nur, wer sie nicht kennenlernen durfte, verzichtet auf sie.
Wer sie erfahren hat, weiß, dass es sich lohnt, für sie zu sparen. Qualitativ hochwertige Dinge erziehen uns zu weniger Konsum, denn man bleibt ihnen treu und möchte sie nicht austauschen.
Ich suche ein Ergebnis, das selbstverständlich und nicht angestrengt wirkt. Die Signature-Kollektion wirkt, als hätten wir Breuers Freischwinger nur gründlich poliert. Man erkennt ihn trotz Überarbeitung sofort wieder.
Mich reizt, es richtig zu machen, damit ich mich in den Räumen und mit den Dingen wohlfühle.
Auf jeden Fall! Es fällt mir wirklich schwer, mich mit Verbesserungsvorschlägen zurückzuhalten.
Ich habe immer Träume und sondiere beständig Möglichkeiten. Das Denken bereitet dabei das Handeln vor, man lässt sich schon auf eine Sache ein, bevor man konkret an ihr arbeitet. Meine Entwürfe begleiten mich ja auch, wenn ich nicht im Atelier bin. In der Arbeit an den Dingen präzisieren sich meine Vorstellungen nur. Ohne eine Vision jedoch kommen ambitionierte Werke selten zustande. So gesehen, kann man Erfolg tatsächlich herbeidenken.